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GESCHICHTE DER GLASPRODUKTION in der Gegend um Nový Bor

Trotz anfänglichen Bemühens, die Entwicklung der jungen Stadt mit Landwirtschaft und Textilerzeugung zu verknüpfen, begann das Glas schon bald das weitere Schicksal  von Nový Bor (Haida) zu bestimmen. Zum wirtschaftlichen Zentrum der Herrschaft Sloup (Bürgstein) wurde der Ort mit der Verleihung des Stadtrechts, die Eigenschaft eines Zentrums der böhmischen Glasproduktion und des Glashandels verlieh ihm seine Umgebung.
Das Vorland des Lausitzer Gebirges hatte eine reiche Glasmachertradition, die schon bis ins hohe Mittelalter zurückreichte, als sich Mitte des 17. Jahrhunderts die örtliche Bevölkerung mehr auf die Raffinerieberufe und den Glashandel als die Hüttenproduktion zu orientieren begann. Von der zunehmenden Profilierung der Gebiete zeugt auch die Tatsache, dass bereits im Laufe des 18. Jahrhunderts die Produktion der hiesigen Hütten für die große Zahl von Malern, Schleifern und Glasschneidern nicht ausreichte und die Halbzeuge aus Glas für sie selbst aus weit abgelegenen Gebieten von Böhmen und Mähren herangeschafft werden mussten. Ein Vorteil des Gebiets war die Nähe von Prag und des Wasserweges der Elbe Richtung Hamburg und Meer. Wichtig waren auch die jahrelangen Erfahrungen mit der Tuchweberei in Rumburk. Schließlich war es kein Problem, zu den Tuchballen einen zerbrechlichen Artikel hinzuzupacken, der sich unter den Exportprodukten ständig wachsender Beliebtheit erfreute. Noch am Anfang des 18. Jahrhunderts hatten in den etwa zwanzig Gebäuden in Bor nur vier Personen etwas mit Glas zu tun, aber schon fünfzig Jahre später begann die vorteilhafte Heimarbeit den Webstühlen und der Arbeit in der Landwirtschaft zu konkurrieren. Die Glasunternehmer nutzten die ihnen von Graf Kinský gewährten Privilegien und verlegten die Verwaltung ihrer Exportfirmen aus den umliegenden Gemeinden nach Bor. Vom ehemaligen Gut blieb nur noch der Getreidespeicher und die neue spätbarocke Bebauung veränderte völlig das Aussehen. Erster Bauherr war Georg Anton Jancke, der 1763 von Skalice (Langenau) her umsiedelte und auf der Westseite des künftigen Alten Rings (heute Platz des Friedens) den Sitz der Handelsgesellschaft im Familienbesitz errichtete. Danach genügten lediglich zwei Jahre, um das Viereck des Platzes an der Ostseite mit dem Neubau eines Piaristenklosters abzuschließen. Am Ende des 18. Jahrhunderts gruppierten sich um die neu errichtete Kirche Mariä Himmelfahrt bereits mehr als fünfzig Häuser. Die Stadt wurde Stammsitz von Gesellschaften (Kompanien), die regen Handel mit Spanien, Portugal, Holland und Amerika betrieben. Die Bürgerhäuser aus der Zeit der größten Bauaktivitäten, dem Ende des 18. Und den ersten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts, gehören bis heute zu den bemerkenswertesten. Auf dem Stadtplan jener Zeit sind neue Häuser mit Gärten verzeichnet, die regelmäßig an breiten geraden Straßen und am Neuen Ring (heute Palacký Platz) angeordnet waren, genau nach dem Entwurf des Prager Ingenieurs Emanuel Kleinwächter. Aus der Beschriftung des Plans ist zu erkennen, dass von den 233 Häusern 43 Glasexporteuren gehörten und dass in weiteren 16 Häusern Glasbläser, Schleifer und Glasmaler, Vergolder oder Spiegelmacher wohnten. An der Wende vom 18. und im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts wurde die günstige Entwicklung durch eine langanhaltende Handelskrise unterbrochen. Die politischen und kriegerischen Ereignisse in der Welt, das völlige Erliegen des Überseehandels und die ausländische Konkurrenz waren die Hauptursachen des Rückgangs des Exports, der fast allen hiesigen Glasfirmen Verluste schwer traf. Um eine Wiederbelebung der Glasproduktion in Bor machte sich Friedrich Egermann sehr verdient. Aus seinem Atelier, das sich seit 1823 im Haus Nr. 101 an der Nordseite des Alten Rings befand, kamen bald Produkte, die sich als erste mit der ausländischen Konkurrenz messen konnten. Ja mehr noch, Egermanns ungewöhnliche technologische Verfahren (besonders die rote Lasur), die modischen Entwürfe und die Qualität der Produkte brachten die hiesigen Raffinerien dazu ihn nachzuahmen und erhöhten so indirekt das Qualitätsniveau des ganzen hiesigen Glaswesens. Unter Mitwirkung von Joseph Hansel wurden in Bor leistungsfähigere Schleifmaschinen und ein neuer Schleifstil eingeführt. Ein weiteres Beispiel ist Pater Václav Rubeš. Während seiner Rektorenzeit erreichte die Piaristenschule in Bor einen Rekord, was die Schülerzahl und die Qualität ihrer fachlichen Vorbereitung für die Arbeit in den Exportfirmen und der Glasproduktion betrifft. An das Piaristenkollegium knüpfte programmatisch die 1870 gegründete Glasgewerbeschule an. Die Lehre, dass der einzige Weg aus der Krise eine schnelle Anpassung an die Situation, das Suchen von neuen Absatzmärkten und ein flexibleres Reagieren der Produktion auf die Anforderungen des Marktes ist, brachte das Glaswesen in Bor etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf vordere Plätze im Handel. Der Rückgang des Exports in den sechziger Jahren verursachte jedoch erneut Unsicherheit. In dieser unruhigen Zeit, die von Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse und dem Aufstieg der industriellen Fertigung geprägt war, verlor das System der Handelsfirmen im Familienbesitz an Effektivität und wurde nach der Überwindung der Krise durch neue Exportformen ersetzt. Das Glas wurde vom Produzenten direkt mittels eines eigenen Angebots oder über Handelsvertreter verkauft. Häufig waren auch Handelsfirmen, die die Produkte der hiesigen häuslichen Werkstätten und kleinen Raffinerien vertrieben. Die Modernisierung der technischen Ausstattung der Stadt, eine neue Eisenbahnlinie und der Straßenbau erleichterten den Transport der Kohle zum Heizen der Glasöfen, das alles beschleunigte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Konzentration der Glasproduktion in der Stadt und ihrer unmittelbaren Umgebung. Obwohl die Eingriffe in die baulichen Entwürfe neuer oder umgebauter Häuser (dank dem Stadtbaumeister Maximilian Dittrich) mit Gefühl ausgeführt wurden, so verletzte doch das schnelle Wachstum der Raffinerien und Glashütten die Ästhetik. Z. B. ließ sich in der Poststraße (der heutigen T. G. Masaryk-Straße) die Kronleuchterfirma Reinhold Palme und Söhne aus Prácheň (Parchen) nieder und neben der Fabrik Josef Günzels für die Herstellung von Glasfarben wuchs ein Schornstein in die Höhe. In der Nähe des Alten Rings baute Carl Hosch Wohnhäuser in ein industrielles Objekt zur Glasraffinerie und eine Fabrik zur Lüsterfertigung um. Die ruhige Atmosphäre des heutigen Palacký Platzes störte der Betrieb um die Firma Johann Oertels und die nahegelegene Raffinerie Karl Goldbergs. Bautätigkeit begann auch auf den freien Grundstücken zwischen dem Alten Ring und dem Bahnhof. Die Glashütte Helena wurde 1874 gegründet und neben dem 1892 erbauten Gebäude der Glasgewerbeschule wurde eine Lehrhütte in Betrieb genommen (1910). In die Nähe des Bahnhofs zog 1888 die Firma Hartmann & Dieterichs (heute Egermann) aus Okrouhlá um und 1913 nahm hier die Hütte Flora (bekannter unter dem Namen Hantich) ihren Betrieb auf. Wir könnten –zig neu eröffnete Raffinerien und Exporthäuser aufzählen, die bestätigen, dass das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit der Glasindustrie im ganzen Gebiet Bor – Kamenický Šenov (Steinschönau) war, wobei die Stadt Bor die Position eines Zentrums behaupten konnte. In dieser Zeit blühten auch Interessenverbände und kulturelle Aktivitäten. Die Aktivitäten des Gewerkschaftsverbandes der Glasarbeiter führten 1893 in Bor zur Gründung eines Glasmuseums. Josef Sieber erwähnt 1913 in seiner Geschichte der Stadt Bor 65 Vereine und 3 Klubs!
Trotz des Rückgangs in den Jahren des 1. Weltkriegs stützte die Konjunktur in der jungen Tschechoslowakei die Entwicklung im hiesigen Glaswesen. In Bor und  Kamenický Šenov mit näherer Umgebung befassten sich fast hundert größere Firmen mit der Produktion, der Veredelung und dem Export von Glas. Zur Vereinfachung des Exports wurde 1892 ein Konsulat der USA (in der Konsulatsstraße – heute Teil der B. Němcová Straße) und 1905 eine Zollstation in Bor errichtet. Viele Geldhäuser eröffneten hier ihre Filialen. Der ökonomische Erfolg spiegelte sich auch im Erscheinungsbild der Stadt. Der hohe Standard lässt sich bis heute an den repräsentativen Villen der Fabrikanten, dem prunkvollen Grandhotel Zimmerhackel oder dem städtischen Kino ablesen. Die prosperierende Industrie war auch ein Anziehungspunkt für junge Tschechen aus dem Inneren des Landes, die hier Arbeit und ein neues Zuhause fanden. 1921 waren es bereits sieben hundert. Auf ihre Initiative hin wurde den Opfern der Rumburker Rebellion 1923 auf dem Waldfriedhof ein Denkmal errichtet, entstand das tschechische Viertel mit der 1928 eröffneten tschechischen Bürgerschule und 1934 Tschechisch als Unterrichtssprache in der Glasgewerbeschule eingeführt. Die sozialen und nationalen Beziehungen wurden jedoch in den späten dreißiger Jahren schweren Prüfungen ausgesetzt. Die günstige Entwicklung im Glaswesen kulminierte um 1930 und schon in den darauffolgenden zwei Jahren kämpfte man schwer mit der Wirtschaftskrise. Wie auf Befehl gingen die Feuer in den Glashütten aus und die Raffinerien verwaisten. Es war nicht das erste Mal, dass böhmische Glasmacher sich im Ausland Arbeit suchen mussten. Trotz kurzer Konsolidierung ließen die ernstesten Ereignisse nicht lange auf sich warten. Infolge der Besetzung Grenzgebiete mussten die Tschechen ins Innere des Staates abwandern. Besser erging es allerdings auch denen nicht, die blieben. Die meisten Glasmacher wurden zur Armee einberufen. Die Glasproduktion wurde auf ein Minimum reduziert, meist mit einem Ersatzprogramm, das der Rüstungsindustrie diente. Bor unterbrach seine Handelsbeziehungen zur Welt.
Die nach 1945 verstaatlichte Glasindustriel bekam -zig in der Folge des Krieges schwer beschädigte private Glasfirmen und häusliche Werkstätten in die Wiege gelegt. Die Aufgabe schnell die Produktion in den Glaswerken wieder aufzunehmen wurde durch Mangel an Rohstoffen und Energie erschwert. Es wurde auch schwierig die ausgewiesenen deutschen Arbeitskräfte zu ersetzen, die oft sehr geschickte Handwerker und erfahrene Unternehmer gewesen waren. Dennoch verließen Bor bereits Anfang des Jahres 1946 die ersten Exportaufträge und der einheimische Markt begann sich teilweise zu konsolidieren. Leider verfolgte die staatliche Ideologie nur die Unterstützung der Entwicklung der Schwerindustrie, was ein Zurückbleiben der Glasindustrie und die Überführung von Glasmachern in die präferierten Industriezweige zur Folge hatte. Für die Beschäftigung der Einwohner von Nový Bor begann auch der Maschinenbau eine wichtige Rolle zu spielen (Závody průmyslové automatizace – Werke für Industrieautomatisierung). Erst in den sechziger Jahren kam es  dank günstiger Exporte aus dem Staatsbetrieb Borské sklo zu einer Rehabilitierung der traditionellen Glasproduktion. Die Entscheidung ein Glaskombinat zu errichten (1965 – 1967) bedeutete für die Stadt eine prinzipielle Wende zum Besseren – die Konzentration der Produktion in einem modernen Komplex, der Zustrom neuer Arbeitskräfte und die damit verbundene Neubelebung der Glasgewerbeschule, kulturelle und sportliche Aktivitäten. Mit der Gründung der Generaldirektion für alle Betriebe, die sich in unserem Lande mit der Produktion von Gebrauchsglas befassten, im Jahre 1972 (seit 1974 unter dem Namen Crystalex) in Nový Bor erhielt die Stadt den verdienten Titel Metropole der tschechoslowakischen Glasproduktion. Zur weltweiten Bekanntheit trug auch die Teilnahme unserer Glasmacher an in- und ausländischen Ausstellungen und seit 1982 die eigene Veranstaltung Internationaler Glassymposien teil.
Zur letzten tiefgreifenden Veränderung der Organisationsstruktur der hiesigen Glasindustrie kam es nach 1989 in Verbindung mit dem politischen und wirtschaftlichen Wandel in unserem Land. Neben der Gesellschaft Crystalex entstanden private Firmen, die an ihre Vorkriegstradition anknüpften bzw. ihre Existenz von Grund auf neu aufbauten. Die Stadt erinnerte sich an ihre Vergangenheit und wurde wieder Zentrum vieler kleiner Glasstudios und Familienraffinerien mit origineller handwerklich anspruchsvoller Fertigung traditionellen und modernen Glases. Die originellen Kunstwerke von Studenten und Glaskünstlern, die auf Ausstellungen im Glasmuseum und in den Galerien der Glasgewerbeschule, von Karl Wünsch und der Firma Ajeto gezeigt werden, unterstreichen die Ausprägung jener, die in Nový Bor leben und schaffen.
In der nordböhmischen Stadt Nový Bor leben gegenwärtig 12 259 Einwohner (am 1.1.2011). Die Stadt ist seit 2003 Sitz eines Amts mit erweitertem Wirkungskreis, das für 16 Gemeinden des Gebiets zuständig ist.